"GIFTPFLANZEN"
UND
SELBSTMEDIKATION
Gelegentlich fressen Wildkaninchen oder Kaninchen in freier Gartenhaltung auch Pflanzen, die allgemein als "giftig" bezeichnet werden. Die Giftwirkung dieser Pflanzen beruht auf einem hohen Gehalt an bestimmten sekundären Pflanzenstoffen (z.B. Alkaloide), welche den Pflanzen z.B. zur Abwehr von Fressfeinden dienen.
Die Giftwirkung einer Pflanze kann tages- oder jahreszeitlich (Alter der Pflanze) variieren, und verschiedene Pflanzenteile sind unterschiedlich giftig. Außerdem kann das Trocknen von Pflanzen den Gehalt an Toxinen verändern (erhöhen oder reduzieren). Toxische Effekte hängen in der Regel davon ab, in welchen Mengen bestimmte Pflanzen aufgenommen werden.
"Giftpflanzen" zählen zwar nicht zur Hauptnahrung der Kaninchen, in
geringen Mengen und bei freier Nahrungsauswahl können sie aber einen
Beitrag zur Gesunderhaltung leisten indem Heilungsprozesse gefördert
werden. So können z.B. Hahnenfuß, Weißer Gänsefuß, Rainfarn oder verschiedene Zwiebelgewächse eine
wurmtötende Wirkung haben, und Schöllkraut oder Knoblauch sind wirksam gegen
Kokzidien. Bärenklau oder Schopflavendel können eine krampflösende Wirkung bei an
Encephalitozoonose (EC) erkrankten Kaninchen haben (aus: Rühle 2018/37; 2018/40; Rühle 2021/71; weitere Informationen siehe Seite Infektionskrankheiten). Schließlich gibt es auch Pflanzen mit hochwirksamen krebshemmenden Eigenschaften (Abgabezeitpunkt und Kastration).
Ein potentielles Zuviel an bestimmten Substanzen kann vom Kaninchen durch verschiedenste Strategien neutralisiert werden:
- körpereigene Entgiftungsprozesse (Inaktivierung durch Speichelenzyme bei intensivem Kauen; Durchfall; Wasserlöslichkeit und damit Nierengängigkeit durch Leberenzyme)
- anschließende Aufnahme von alternativen Pflanzen, Wasser oder auch von lehmiger Erde (Mineralien können Gifte binden und deren effektive Ausscheidung fördern.)
- Bildung von Toleranzen aufgrund regelmäßiger Aufnahme
(aus: Rühle 2018/37 und 2018/40).
Die oben genannten Informationen stellen keine ausdrückliche
Fütterungsempfehlung dar. Denn je nach Haltungsform kann eine
übermäßige Aufnahme solcher Pflanzen ein Problem darstellen (Fehlen
neutralisierender Pflanzen oder Erde, überstürztes Fressverhalten bei
portionierter Fütterung) und sollte dann entsprechend verhindert werden.
Für Halter, denen es nicht möglich ist stets verschiedenste Heilpflanzen zur
freien Verfügung anzubieten, die eben nicht zur täglichen Nahrung gehören,
bietet sich z.B. das regelmäßige Sammeln von Löwenzahn und Spitzwegerich
an, oder das Anpflanzen frischer Kräuter wie Salbei, Oregano, Thymian,
Rosmarin, Kamille und Lavendel, von denen sich die Kaninchen bei Bedarf
entweder selbst bedienen können oder der Halter regelmäßig für seine Tiere
ernten kann. Die enthaltenen Öle haben nachweislich antibakterielle
Eigenschaften (aus: Rühle 2018/37 und 2018/40).
Im Falle von akuten Erkrankungen ersetzt eine Ernährung mit Wildkräutern keinesfalls den Gang zu einem kaninchenkundigen Tierarzt!

Beispiele für unter bestimmten Bedingungen nicht ganz unbedenkliche Pflanzen:
Aronstab, Brechnuss, Eisenhut, Engelstrompete, Fingerhut, Maiglöckchen, Herbstzeitlose, Nachtschatten, Oleander, Rittersporn, Wolfsmilch, Schierling, Buchs, Eibe oder Holunder.
Bitte NICHT gezielt füttern, denn dabei drohen möglicherweise schwerwiegende gesundheitliche Probleme.